Neben der 4K-Auflösung ist HDR das weitere große Zukunftsthema im Fernsehmarkt. Neben Dolby möchte auch Technicolor ein gehöriges Wörtchen mitreden, wenn es um den zukünftigen HDR-Standard geht. Noch ist völlig unklar, wer das Rennen am Ende für sich entscheiden wird. Eine Bestandsaufnahme.

4K ist für TV-Geräte aktuell wohl nach wie vor das Top-Thema und noch lange nicht im Massenmarkt angekommen. Doch die Unterhaltungsindustrie ist ständig auf der Suche nach neuen technischen Innovationen, die den Kunden zum Umstieg auf einen neuen Fernseher bewegen sollen. Schon jetzt wird HDR, also High Dynamic Range, als eine Zukunftstechnologie gefeiert – oder zumindest dringend herbeigesehnt.

HDR soll für höheren Bildkontrast sorgen

Den Begriff HDR kennen womöglich schon viele aus der Fotografie, doch künftig dürfte die Technik auch vermehrt auf 4K-Fernsehern zu finden sein. Die HDR-Technik soll vor allem für einen noch höheren Bildkontrast und eine detailreiche Wiedergabe bei großen Helligkeitsunterschieden sorgen. Die Farben sollen in Summe noch heller, satter und lebensechter erstrahlen.

Netflix und Amazon wollen in HDR streamen

Erste Streamingdienste wie Netflix oder auch Amazon Instant Video haben bereits HDR-Streaming für die Zukunft angekündigt. Doch wie so oft bei neuen Technologien, einen einheitlichen Standard gibt es bis dato noch nicht. In das Rennen um die HDR-Vorherrschaft gehen aktuell zwei Unternehmen: Dolby und Technicolor.

Dolby geht mit Dolby Vision ins Rennen

Dolby Vision will Inhalte darstellen wie vom Filmemacher vorgesehen

Wann immer bisher die Rede von HDR war, fiel häufig auch der Name Dolby im selben Atemzug. Dolby geht mit der eigenen Technologie Dolby Vision in das noch offene Rennen und verfolgt einen Ansatz, der über die reine HDR-Verwendung noch hinausgeht. So will Dolby Vision Inhalte im Endeffekt dem Zuschauer so präsentieren und darstellen, wie es seitens der Filmemacher ursprünglich beim Dreh samt Nachbearbeitung vorgesehen war.

Technicolor ist im letzten Jahrhundert vor allem für seine Farbfilme bekannt gewesen, spielt aber auch heute in Hollywood noch eine wichtige Rolle. So ist Technicolor heute vor allem für seine digitalen Nachbearbeitungen bekannt und arbeitet für namhafte Filmstudios sowie Videospielhersteller. Technicolor hat sein eigenes HDR-Format in Entwicklung. Es ist somit eine mögliche Option für die erwartete 4K-Blu-ray.

Technicolor bietet Tools, um normale Inhalte auf HDR-Niveau zu tunen

Intelligent Tone Management sorgt für den HDR-Style

Technicolor bietet die passenden Tools an, um normale SDR-Inhalte in gewisser Weise auf HDR-Style aufzupolieren – nicht immer ganz unumstritten. So ermöglicht die Technologie „Intelligent Tone Management“ den Inhalte-Anbietern neue Möglichkeiten, um effektiv HDR-Content zu produzieren. Die eingesetzte Technik analysiert das Ausgangsmaterial in Echtzeit und nimmt entsprechende diverse Bildoptimierungen vor. Letztendlich werden die Bilder im Grunde nur aufgehübscht, lediglich hochskaliert – mit dem Ziel, mehr HDR-Material zu erzeugen. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, ist aber gleichzeitig auch keine Garantie für bessere Bilder.

Technicolor bietet auch echten HDR-Content

Analog vieler erster Filme in 4K, die im Prinzip nur hochskalierte 1080p-Versionen darstellten. Sicher, das Bild mag besser aussehen. Aber es wird nie so gut aussehen, als wenn das Material gleich in 4K produziert wird. Mit HDR verhält es sich genauso. Aber Technicolor skaliert nicht nur Inhalte auf HDR-Niveau hoch, sondern produziert auch richtigen HDR-Content. Der Prozess ist allerdings etwas komplizierter, als man vielleicht annehmen könnte.

Technicolor HDR
Mit dieser Methode möchte Technicolor sein HDR-Format etablieren. (Bildquelle: Technicolor)

Zuerst liefert die Profikamera echtes 10-Bit HDR-Material. Der Encoder schließlich konvertiert den HDR-Inhalt zu 8-Bit SDR, ein weiterer neuer Stream enthält schließlich das SDR-Video und die HDR-Metadaten. Die Metadaten entsprechen nicht dem Video, sondern enthalten zusätzliche Informationen zum Videosignal. Letztendlich geht es Technicolor primär darum, Bandbreite zu sparen, da die anfallendenen Datenmengen doch recht hoch sind. Mit dem im Fernsehgerät kompatiblen Decoder wird dann anhand der Metadaten der endgültige HDR-Inhalt wiederhergestellt. Letztendlich bleibt nur ein Stream übrig, nicht HDR-fähige TVs ignorieren die HDR-Metadaten einfach.

Technicolor setzt auf offenen Standard – im Gegensatz zu Dolby

Technicolor setzt auf offenen Standard

Technicolor könnte der Vorteil zugutekommen, dass es sich bei seiner Methode um einen offenen Standard handelt – Dolby Vision verfolgt den gegensätzlichen Ansatz. Das mag den Fernsehzuschauer zwar nur wenig tangieren, da die kommenden TV-Modelle mitunter beide Standards verstehen werden – und womöglich auch noch die HDR-Formate, die eventuell noch folgen werden. Im schlechtesten Fall entwickelt sich aber abermals ein Formatkrieg – wie seinerzeit beim DVD-Nachfolgermedium.

Damals trat die Blu-ray gegen die HD DVD an – bekanntermaßen konnte die Blu-ray letztendlich das Duell für sich entscheiden. Zulasten allerdings vieler verunsicherter Kunden, die sich für eines der beiden Formate entscheiden mussten – ohne zu wissen, welches Format sich letztlich durchsetzen wird. Ganz gleich, ob Dolby oder Technicolor das Rennen um den HDR-Standard für sich entscheiden wird. Die Endverbraucher brauchen rechtzeitig Klarheit – andernfalls könnte es noch lange dauern, bis HDR endgültig den Massenmarkt erobert.

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